1- Agrimony - der Pausenclown

Agrimony nannte ihre Mutter sie, da sie schon lachend zur Welt kam. Vom Tag ihrer Geburt an, zeigte sie sich immer mit diesem Lachen, selbst wenn ihr innerlich zum Weinen zumute war. Probleme in der Schule spielte sie permanent als Pausenclown herunter. Sie ging fröhlich durchs Leben, als gäbe es in ihrer Welt keine Probleme. Ständig war sie auf Achse, und immer da zu finden, wo etwas los war.  Wenn da nur nicht immer diese Unruhe in ihr wäre. Und auch dieses nervtötende Zähneknirschen, was sie schon seit ihrer Kindheit begleitete. An Schlafen, war da in manchen Nächten nicht zu denken, wenn sie mit ihren Zähnen ganze Konzerte in der Nacht veranstaltete. Abhilfe schaffte ihre Oma, mit einem Odermennigzweig aus dem Wald. Sie kochte ihr davon einen Tee, und die nächtlichen Konzerte hörten auf. Sie verspürte plötzlich eine innere Ruhe, konnte Weinen, wenn ihr danach zumute war, und blieb trotzdem weiterhin ein fröhlicher Mensch, wenn auch nur viel authentischer.

 

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2 - Aspen - der Zitterhannes

Aspen ging in den späten Abendstunden mit einem mulmigen Gefühl im Bauch in Richtung Heimat. Immer im Dunkeln, spürte er diese undefinierbare Angst. Er konnte sie nicht einmal benennen und wusste auch nicht so recht, vor was er sich eigentlich fürchtete. Seit er denken kann, hat er diese unheimlichen Ahnungen von bevorstehendem Unglück. Oft in seinem Leben spürt er auch, was in Anderen vor sich geht. Er ist wohl schon mit diesen Antennen im Blut zur Welt gekommen und fühlt sich den Schwingungen um ihn herum hilflos ausgeliefert. Selbst in den Nächten findet er keine Ruhe. Schlaf sowieso nicht, weil dieser von Albträumen heimgesucht wird. Nur wenn er nachts ein kleines Licht brennen lässt, dann hat er mal für ein paar Stunden Ruhe. Es wird Zeit, denkt Aspen, dass ich morgen wieder mal meinem Freund, der Zitterpappel im Wald, einen Besuch abstatte. Immer wenn er diesen Baum umarmt, findet er innere Ruhe, und fühlt sich geborgen.  

 

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3 Beech - die Meckerziege

Beech verdankte seinen Namen,  seinem roten Haarschopf, den Oma schon immer liebevoll, meine kleine Rotbuche nannte. Sie liebte diesen kleinen Jungen und seine altklugen Sprüche, die er von sich gab. Wenn er sich ärgerte über die Dummheit der Anderen, nannte Mutti ihn immer Besserwisser. Oma fand ihn klasse, da er schon als Kind alle Dinge, die nicht in Ordnung waren, erkannte. So unzufrieden er oft mit anderen war, so unzufrieden war er auch mit sich selber und seinen eigenen Fehler.  Und so beschloss er im Teenageralter, die Dinge mal etwas anders anzugehen. Er tolerierte vieles, selbst wenn es ihm innerlich zuwider war. Er fing an, Konflikten aus dem Weg zu gehen und behielt seine Meinung für sich. Im Laufe der Jahre jedoch stellte er fest, dass auch dies keine Lösung war. Erst als er im heimischen Garten einen Baum pflanzte, der sich Rotbuche nannte, begannen sich seine Probleme zu lösen und auch die Intesität seiner roten Haarfarbe nahm ab. 

 

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4 Centaury - die Samariterin

Die kleine Centaury war schon in der Schule hilfsbereit den anderen Kindern gegenüber, und verteilte ihr Pausenbrot an die, die hungrig waren. Den Anderen sollte es gut gehen. Dies war ihr sehnlichster Wunsch. Selbst wenn sie hungrig zurück blieb. Dies änderte sich auch nicht im späteren Alter. Immer wieder steckte sie ihre Wünsche zurück, um anderen Menschen zu gefallen. Sie schaffte es einfach nicht, für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Sie spielte den Babysitter für das Nachbarskind, sie räumte für Mama die Wohnung, und als sie später selbst schon Mutter war, räumte sie dem Sohnemann alle Steine aus dem Weg. Harmoniesucht war wohl ihr zweiter Vorname. Oft fühlte sie sich schwach, energielos und der Rücken tat ihr weh. Erst als ihre Freundin Marie ihr das Tausengüldenkraut brachte, fing sie an, sich selber ernst zu nehmen und ihre Wünsche durchzusetzen. Sie begann endlich zu leben.

 

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5 Cerato - das wandelnde Fragezeichen

Im Alter von 25 Jahren ist Cerato immer noch sehr unsicher, was ihre eigenen Entscheidungen anbelangt. Jetzt hat sie sich gerade für ein Studium der Naturwissenschaft entschieden, und schon zweifelt sie, ob sie sich nicht doch besser für ein Medizinstudium entscheiden hätte sollen. Immer wieder im Leben zweifelt sie jede Entscheidung, die sie einmal getroffen hat, an. Opa war Arzt, Papa war Arzt und da haben sie natürlich alle gedacht, dass auch sie Medizin studieren würde. Nach langem inneren Ringen hat sie sich für die Naturwissenschaft entschieden. Allerdings ist sie wieder und wieder am Überlegen, ob sie nicht doch besser der Familientradition gefolgt wäre. Am wohlsten fühlt sich immer, wenn sie im botanischen Garten bei der kleinen Bleiwurz verweilt. Die kleine Blüte, mit dem blauen Schimmer in ihren Blütenblättern, hat es ihr angetan, und in ihrer Nähe verspürt sie kaum noch Zweifel und fühlt sich sicher. 

 

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6 Cherry Plum - der Randalierer

Cherry Plum steht ständig unter Spannung. Er hat das Gefühl, als würde er innerlich explodieren und könnte seinen Verstand verlieren. Schon als kleiner Junge hat er unter diesen Anspannungen gelitten und ständig an seinen Fingernägeln gekaut. Wenn er erzählen wollte, kam er regelrecht ins Stottern und brachte nicht einen klaren Satz heraus. Schlimm war es für ihn, wenn er seinen eigenen Willen nicht durchsetzen konnte. Da konnte er seine Umwelt regelrecht tyrannisieren mit seinen Wutausbrüchen. Schon im Kindergarten ist er oft grundlos auf andere Kinder losgegangen, ohne dass er dies eigentlich wollte. Manchmal hat er sogar einfach zugebissen. Mit zunehmendem Alter hatte sich besser unter Kontrolle. Ohne den alten Apotheker aus dem Dorf, sähe es allerdings schlimm um ihn aus. Dieser versorgt ihn regelmässig mit einem Gebräu aus der Natur.  Eigentlich ist er kein Freund von Medizin, allerdings diese Tropfen aus der Kirschpflaume, helfen ihm immer wieder einigermassen ruhig zu bleiben.

 

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7 Chestnud Bud - der Tolpatsch

Aus irgendeinem Grund fällt es Chestnud Bud einfach schwer, für die Schule zu lernen. Im Unterricht kann er sich nicht konzentrieren. Er kann nicht bei einer Sache bleiben. Gedanklich ist er immer zwei Schritte weiter, während das Haupthema noch gar nicht abgeschlossen. Und immer wieder passieren ihm die gleichen Dinge. Seinen verlegten Haustürschlüssel findet er nach langem Suchen immer wieder, allerdings nur, um ihn kurz darauf wieder zu verlegen. Mein kleiner Tolpatsch, nennt Mutti ihn schmunzelnd, da er immer wieder die gleichen Fehler macht und einfach nicht aus seinen Erfahrungen lernt. Sie hat die Hoffnung schon aufgegeben. Das einzige Fach, dass ihn wirklich interessiert ist die Biologie mit ihrer Pflanzenwelt. Auf einem Schulausflug fand er bei eine Spaziergang eine kleine Kastanienknospe. Seit er diese kleine Knoste in seiner Hosentasche mit sich trägt, ist er viel aufnahmefähiger geworden, und der kleine Tolpatsch wandelt sich zu einem aufmerksamen lieben Jungen.

 

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8 Chicory - die Übermutter

Mit Armen, die eher an eine Krake erinnern, war Chicory in ihrem Heimatort bekannt als Mutter, die für jedes ihrer sieben Kinder ständig zur Verfügung war und alles erledigte. Eben wie eine Krake mit ihren vielen Armen. Nichts übersah sie, und nichts überließ sie dem Zufall. Sie wußte immer, was die anderen bewegte, und hatte auch immer sofort eine Lösung parat. Dies geschah allerdings, nicht ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie wollte jeden beglücken, und ihn damit an sich binden nach dem Motto: Wenn ich immer für dich da bin, dann kannst du mich doch nicht alleine lassen. Und war nur eines ihrer Kinder nicht in der Nähe, bekam sie sofort einen Asthmaanfall. Ständig forderte sie Zuwenung. Ihr fiel gar nicht auf, daß sie Andere damit klammerte und ihnen keine Luft zu atmen ließ. Eines Tages kam Karlchen, ihr jüngstes Kind, mit einer Wegwarte nach Hause.  Von diesem Tag an ging es aufwärts mit ihr, und ihre Asthmaanfälle ließen nach. Sie ging fröhlicher und unbefangener mit allem um.

 

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9 Clematis - der Tagträumer

Als Weltraumfahrer flitzt Clematis mal wieder während dem Abendessen durch den Weltraum. Nicht, daß er Kartoffelsuppe nicht mag. Nur muß er, während er sie löffelt, auch noch ständig an sie denken? Nein, da ist er doch lieber mit seinem Spaceshuttle unterwegs. Beim Essen ist das nicht weiters schlimm, nur in der Schule schweift er auch gerne gedanklich ab, weil ihm der Unterrichtsstoff einfach nicht interessant genug erscheint. Er tut sich einfach schwer damit, in der Gegenwart zu bleiben. Immer öfter flüchtet er sich in seine Phantasiewelt, in der es sich viel leichter leben lässt. Auf seine Umwelt wirkt er immer ein wenig zertreut und abwesend. Mama sagt dann immer: Mein Kleiner ist mal wieder gedanklich unterwegs. Beim Skiurlaub in den Bergen hat er sich das Bein gebrochen, weil er sich nicht auf die Piste konzentriert hat. Tante Gretel wusste Rat und hat einen Saft aus den Blüten der weisen Waldrebe gebraut, die ihn manchmal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holt.

 

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10 Crab Apple - die Putzmamsell

Crab Apple ist seit Jahren als Raumpflegerin in einer großen Firma unterwegs. Putzen war schon immer ihr Ding. Sie musß auch zu Hause immer alles aufräumen und kann sich erst hinsetzen, wenn alles an seinem Platz ist. Nicht nur bei der Reinigung, sondern in allen Bereichen des Lebens ist sie peinlich genau. Alles in ihrem Leben ist geordnet, selbst ihre Gedanken sortiert sie nach schwarz oder weis. Es gibt so gut wie kein grau dazwischen. Bei ihr heißt es immer, entweder oder. Als Hausfrau und Mutter bringt sie ihre Familie regelmäßig mit ihrem Sauberkeitszwang zur Verzweiflung. Sie räumt und putzt jedem hinter her. Frisches Obst muß immer zuerst gewaschen werden, die Blumen im Garten sucht sie zwanghaft nach Blattläusen ab. Manchmal wird es selbst ihr zuviel. Nur, sie kann einfach nicht anders. Sie spürt einfach diesen inneren Zwang, der ihr das Leben manchmal zur Hölle macht. Erst als sie im Garten einen neuen Baum setzt, diesen Holzapfelbaum, wird auch für sie das Leben leichter.

 

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11 Elm - der Fels in der Brandung

Vater Elm ist am Ende seiner Kräfte. Als Ernäher und Vater von 5 Kindern hat er eine große Verantwortung zu tragen. Er liebt seine Familie über alles und möchte sie nicht im Stich lassen. Mit seiner  Frau hat er ein eigenes Haus gebaut, damit die Kinder frei und unbeschwert aufwachsen können und auch jedes ein eigenes Zimmer hat. Die Hypotheken wollen bezahlt werden, ein neues Auto wäre dringend nötig. Dann ist da noch der Kegelclub, in dem er eine leitende Funktion übernommen hat. Im Moment fühlt er sich erschöpft und zweifelt manchmal an seiner Kraft. Schon immer war er ein leistungsbfähiger Mensch, der gerne Verantwortung übernahm. Er weiß nicht wo ihm der Kopf steht, und wo er zuerst anfangen soll. Die gesamte Verantwortung lastet schwer auf seinen Schultern und er fürchtet, daß er schlapp machen könnte. Vielleicht sollte er einfach mal wieder eine Radtour machen zur Ulmenallee, außerhalb der Stadt. Diese Bäume strahlen Selbstsicherheit aus und geben ihm wieder die nötige Kraft. 

 

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12 Gentian - der Schwarzmaler

Gestatten, mein Name ist Gentian und ich bin als der ewige Zweifler in meinem Umfeld bekannt. Ob Freunde, Bekannte, Familie oder auch Kollegen, ich bringe sie alle mit meinem „Ja Aber“ permanent zur Verzweiflung. Ich beleuchte immer zwei Seiten und habe es immer wieder erlebt, daß Dinge sich zum Negativen entwickeln. Ich muß doch mein Umfeld warnen, und kann sie nicht alle in ihr Unglück rennen lassen. Mein Freund, der Hans, war neulich total begeistert und euphorisch, als er von einem Vorstellungsgespräch kam. Er war sich so sicher, daß er den Job bekommt. Drei Tage später kam dann die Absage mit der Begründung, daß sie sich für einen anderen Bewerber entschieden haben. Ich hab das gleich gewußt, und der Hans war beleidigt, weil ich ihm das gesagt hab. Beim gemeinsamen Urlaub in den Bergen habe ich dann zum ersten Mal einen Herbstenzian gesehen. Ich hielt diese Blume in meiner Hand und plötzlich wurde mir klar, daß ich Hans eigentlich eher mit meiner Schwarzmalerei noch zusätzlich belastet hab. 

 

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13 Gorse - der Trauerkloß

Gorse wuchs als kleines Mädchen mit einer chronisch kranken Mutter auf. Sie hat das Leben von einer äußerst schwierigen Seite kennen gelernt, und ist damit aufgewachsen. Seitdem ist eine unterschwellige Hoffnungslosigkeit ihr ständiger Begleiter. Sie sieht das Leben grau in grau, und glaubt selbst im Erwachsenenalter nicht daran, daß sich das jemals ändert. Dunkle Ringe hat sie unter den Augen, die ihren Seelenzustand widerspiegeln. Dabei bräuchte sie doch dringend Hoffnung, um einen Neuanfang zu wagen und ihrem Leben eine Wende zu geben. Innerlich hat sie bereits aufgegeben und wartet auf einen Anstoß von außen. Nur, wo soll der herkommen? Ratlos wie immer, macht sie sich an diesem Tag auf den Weg zu einem nahegelegenen Bach. Unterwegs entdeckt sie einen Busch namens Stechginster. Schon alleine der Anblick dieser leuchtend gelben Blüten hebt ihre Stimmung. Sie beschließt, so einen Busch zu Hause in ihrem eigenen Garten zu pflanzen.

 

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14 Heather - die Quasselstrippe

Heather ist 15 und mitten in der Pupertät. Sie ist ein hübsches Mädchen mit einem quirligen Temperamt. So lebhaft wie ihr Temperament, ist leider auch ihr Mundwerk. Sie redet ohne Punkt und Komma, und andere haben es schwer, auch einmal zu Wort zu kommen. Immerzu redet sie auf andere ein, und überfällt sie mit ihren Wünschen. Sie hat ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein und sich in den Kopf gesetzt, Sängerin zu werden. Sie will auf die Bühne. Denn nur da bekommt sie den Applaus, denn sie so nötig braucht. In ihrem alltäglichen Leben fühlt sie sich immer isoliert und ausgegrenzt. Keiner will ihr mehr zuhören, alle haben es eilig und gehen ihr aus dem Weg. Dabei möchte sie doch nur anerkannt und bewundert werden. Im diesjährigen Schüleraustausch hat sie sich für England gemeldet. Von dieser Reise kommt eine vollkommen ausgewechselte Heather zurück. Sie hat auf ihrer Reise die Bekanntschaft mit dem schottischen Weidekraut gemacht, daß ihren Charakter nachhaltig positiv beeinflußte.

 

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15 Holly - die Erifersuchtstante

Mütterchen Holly steht mit dem Nudelholz wartend hinter der Wohnungstür. Ihr Mann Erwin ist unterwegs mit Freunden. Haha, denkt sie sich, mit Freunden. Und wer war die junge blonde Frau, mit der sie ihn auf dem Heimweg heimlich beobachtet hat? Hä? Na der soll bloß kommen. Dem zieh ich das Nudelholz über die Rübe. Mir einen Bären aufbinden, das geht mal gar nicht. Ich bin dunkel und nicht blond, und weiß genau, was mein Göttergatte heute abend treibt. In ihrer Eifersucht redet sie sich immer mehr in Rage. Sie ist zutiefst verletzt, gekränkt und unterstellt ihm eine Affäre. Als Erwin nach Hause kommt, trifft ihn im wahrsten Sinne des Wortes der Schlag. Während er sich an den Kopf greift  und die wachsende Beule fühlt, fällt ihm der Zweig mit dem Stechapfel aus der Hand. Den hat er aus dem Garten von Eva, der Ehefrau seines Freundes, mit dem er Kartenspielen war, mitgebracht. Holly hat mal wieder in ihrer Eifersucht überreagiert und ihn grundlos verdächtigt.

 

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16 Honeysuckle - der Wehmutstropfen

Im Schaukelstuhl sitzend auf der Terasse seines Hauses, verweilt Honeysuckle gedanklich in der Vergangenheit. Früher, ach früher, wie schön war es doch mit seiner Ida, die schon vor zwei Jahren von ihm gegangen ist. Als die Kinder noch klein waren und er mit Ida das Haus gebaut hat, da sah das Leben noch viel schöner aus. Eine Menge Erinnerungen hat er im Kopf. Die jährlichen Urlaube mit den Kindern auf Sizilien, die langen Fahrten mit dem Auto dahin und die anschließend schönen Wochen dort. Die langen Bergtouren mit seiner Frau in der Schweiz, nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten. Und auch das kleine Haus am Meer, daß er sich mit ihr in den letzten gemeinsamen Jahren gekauft hatte. All dies zieht in seiner Erinnerung an ihm vorbei. Wehmütig denkt er an all diese Jahre, die er im Leben hatte. Früher war einfach alles besser, denkt er bei sich, während sein Blick im Garten an der Blüte Geissblatt hängen bleibt, die ihm wie immer, noch ein wenig Freude in sein Dasein bringt. 

 

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17 Hornbeam - der Morgenmuffel

Montags früh braucht Hornbeam immer etwas länger um in Schwung zu kommen. Der Wochenanfang ist immer sehr zäh für sie. Es erwartet sie eine arbeitsreiche Woche im Büro und sie sehnt sich jetzt schon nach dem Wochenende. Immer Montags fühlt sich sich schlapp und unausgeruht, obwohl gerade erst Wochenende war. Ihr dröhnt der Kopf und sie hat Angst, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Egal wie lange sie geschlafen hat, sie ist immer müde und quält sich durch die Woche. Schon seit Monaten fühlt sie sich so. Ohne daß sie einen Anhaltspunkt hätte, woran das liegen könnte. Erst wenn es auf das Wochenende zugeht, fühlt sie sich lebendiger und ihre Lebensgeister erwachen. Sie freut sich auf den Samstagabend, an dem sie immer mit ihrer Freundin Iris unterwegs im Kino ist. Ablenkung hilft ihr immer. Iris war es auch, die sie auf die Idee brachte, es mal mit dem Kraut der Hainbuche zu probieren. Sie wird es wohl oder übel tun, damit diese grauen Tage eine Ende haben.

 

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18 Impatiens - Meister rastlos

Impatiens steht immer unter Zeitdruck. Er ist der geborene Managertyp, der immer alles sofort erledigt haben muß. Er kann es schwer aushalten, wenn er warten muß. Immer muß alles schnell gehen. Am liebsten erledigt er zwei Dinge auf einmal, und wenn ein Mitarbeiter zu langsam ist, dann nimmt er ihm die Arbeit einfach aus der Hand und erledigt es selbst. Vor Ungeduld nimmt er in Gesrpächen seinem Gegenüber das Wort aus dem Mund und beendet den Satz. Sehr oft ist er verletztend anderen Menschen gegenüber, weil ihm einfach alles viel zu langsam geht. Schroff und aufbrausend reagiert er oft. Teamwork ist ein Fremdwort für ihn. Eigentlich bräuchte er keinen Menschen um sich rum. Er erledigt am liebsten alles allein. Er hat schon immer ein starkes Unabhängikeitsefühl und lebt schon seit Jahren auf der Überholspür. Sein Körper ist verspannt und immer öfter hat er schmerzende Glieder. Auf seinen Geschäftsreisen wird er in England oft mit dem drüsentragenden Springkraut verglichen.

 

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19 Larch - der Schüchterne

Larch ist heute Abend mit seiner alten Schulfreundin Selia auf Achse. Sie hat ihn überredet, so wie sie es schon in der Schulzeit immer getan hat. Er bewundert sie neidlos für ihr gutes Aussehen, ihr strahlendes Auftreten sowie ihre energische Art. Er fühlt sich ihr unterlegen, hat ständig Angst sich zu blamieren, und nimmt neue Dinge oftmals gar nicht erst in Angriff. Sein Selbstvertrauen ist schon immer mehr als gering, und er traut sich einfach nichts zu. Oft fühlt er sich nutzlos. Auch bei Frauen hat er immer wieder das Gefühl, daß alle in unattraktiv finden. Gerade heute Abend hat er wieder eine heillose Angst vor den vielen Menschen, die doch alle viel interessanter und attraktiver sind als er selbst. Er ist mit Selia zu Fuß unterwegs und sie müssen durch eine große Allee, die mit lauter Lärchen gepflastert ist. Während sie den Weg zum Haus des Gastgebers hochlaufen, fühlt Larch auf einmal sowas wie Hoffnung aufkommen. Ob es wohl an den vielen Bäumen liegt?

 

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20 Mimulus - der Angsthase

Mimulus ist 10 Jahre alt und wird liebevoll von ihrer Mutti Mimu, mein kleines Mimöschen, genannt. Sie ist schon seit ihrer Geburt besonders schreckhaft und kann wahre Schreiorgien anzetteln, wenn sie nur eine kleine Spinne sieht, die an der Wand hochläuft. Steht ein Termin beim Arzt oder Zahnarzt an, legt Mutti irrsinnige Überredungskünste  an den Tag, um sie überhaupt zu diesem Termin zu bewegen. Wenn es gewittert, dann versteckt sich die kleine Mimu unter dem Sofa und zittert am ganzen Körper. Ihren ersten Schultag hat sie nur bewältigt, weil Mutti versprochen hatte, draußen auf sie zu warten. Nächste Woche soll es in Urlaub gehen und Mimu ist schon wieder am jammern, weil sie Angst hat, vor der langen Fahrt. Mutti hat jedoch neuerdings eine Allzweckwaffe, den Gauklerblumensaft, von dem sie Mimu vor der großen Reise ein paar Tropfen in den Saft mischt. Entdeckt hat sie ihn im Reformhaus. Mimu hat ihn auch bereitwillig getrunken und war danach viel gelöster.

 

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21 Mustard - die Hoffnungslose

Seit der Geburt ihres kleinen Sohnes ist Mustard wieder einmal in das ihr wohlbekannte schwarze Loch gefallen. Diese dunklen Momente kennt sie zur Genüge. Sie überfallen sie, wie aus heiterem Himmel, und sie fühlt sich traurig, ohne recht zu wissen warum. Über nichts kann sie sich freuen, nicht mal an ihrem kleine Sohn, der doch ein Wunschkind war. In solchen Momenten kommt sie sich blockiert vor und vom normalen Leben ausgegrenzt. Dazu kommt noch das Schuldgefühl, da sie keine wirklichen Muttergefühle entwickeln kann. Sie fühlt sich wie versteinert. Nicht mal weinen kann sie. So schleppt sie sich durch die Tage, ohne Hoffnung auf Besserung. Bis ihre Tante Betty dem kleinen Erdenbürger einen Besuch abstattet und auch für Mustard ein kleines Geschenk dabei hat. Sie kennt Mustard Vorliebe für gelbe Blumen und bringt ihr einen Strauss mit den Blüten des Ackersenfes mit. Schon der Anblick, der kleinen gelben Blüten, zaubert ein Lächeln auf Mustards Gesicht und hebt ihre Stimmung.

 

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Schon als junger Bursche war OAK süchtig nach Erfolg. Er blieb an einer Aufgabe dran, bis er sein Ziel erreicht hatte. Aufgeben kam ihm noch nie in den Sinn. Zuverlässig und stark war er in seinem Bekanntenkreis der Fels in der Brandung. Oftmals fühlte er sich ausgelaugt und müde, nur nie hätte er sich erlaubt zu jammern und andere damit zu belasten. Wenn er sich ein Ziel gesetzt hat, dann muß er unter allen Umständen durchhalten. Das Gefühl der Entspannung kannte er eigentlich überhaupt nicht. Er stand ständig unter Druck, weil er irgendwelche Aufgaben zu erledigen hatte. Da er ja auch ein Mann wie ein Bär war und über eine unheimlich große Kraft verfügte, bewarb er sich eines Tages in der Forsterei als Baumfäller. Das Bäumeschlagen – so dachte er sich – könnte er gut nutzen um seine überschüssigen Energien loszuwerden. Und seit dieser Zeit, ging es mit ihm bergauf. Am liebsten beschäftigte er sich mit den knorrigen alten Eichen. Konnte er bei ihnen doch immer wieder auftanken.

 

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